Registermodernisierung – die Sicht der IT

In dieser mehrteiligen Blogreihe werden zentrale Aspekte der Registermodernisierung beleuchtet und technische, juristische sowie verwaltungspraktische Perspektiven eingebracht. Ziel ist es darzulegen, wie digitale Register bürger:innennah und sicher gestaltet werden können. Gleichzeitig sollen Hintergrundwissen vermittelt, aktuelle Entwicklungen eingeordnet und verschiedene Sichtweisen auf die Registermodernisierung dargestellt werden.
NOOTS als Schnittstelle zwischen Registern
Deutschland hat 375 Registertypen (vielleicht sind es auch mehr, keiner weiß das so genau).
Dazu zählen das Melderegister, das Geburtenregister, das Personenstandsregister, das Eheregister, das Lebenspartnerschaftsregister, das Sterberegister, das Ausländerzentralregister (AZR), das Einbürgerungsregister und viele mehr. Dabei geht es immer um Personen, Unternehmen, Grundstücke, Autos und andere Dinge.
Das Projekt Registermodernisierung geht so vor, dass es die einzelnen Register digitalisiert. Das führt dazu, dass z.B. dieselben Personen und Unternehmen in vielen verschiedenen Registern vorkommen, was zwangsläufig zu inkonsistenten Daten führt (eine Person ist in einem Register ledig, in einem anderen verheiratet und im dritten geschieden).
Das Projekt Registermodernisierung versucht, diesen Missstand dadurch zu beheben, dass über eine generelle Schnittstelle, das NOOTS (Nationales Once-Only Technical System), Daten zwischen den Registern hin- und hergeschaufelt werden.
Basis der Register sind Daten
Man könnte das Problem auch anders angehen: Aus Sicht der IT muss zunächst einmal jedes Objekt eindeutig identifiziert werden können. Zur Identifikation von Personen wurde die gesetzliche Grundlage geschaffen, die besagt, dass die Steuer-ID das identifizierende Merkmal (Schlüsselattribut) einer Person sein soll. Sie wird bei Geburt vergeben, ist eine eineindeutige Zuordnung zu einer Person und begleitet jede Person ein Leben lang – insofern ein sinnvolles Identifikationsmerkmal.
Leider gibt es bisher nur sehr wenige IT-Systeme der öffentlichen Verwaltung, die dieses Identifikationsmerkmal auch wirklich benutzen.
Die Schlüssel identifizieren Objekte. Diese Objekte nennen wir Stammdaten.
Jedes Stammdatum kann um beschreibende Merkmale, sogenannte Attribute, ergänzt werden:
- Name und Vorname
- Geburtsdatum
- Wohnort
- Heirat / Lebenspartnerschaft (Beziehung zwischen Personen)
- Sterbedatum
Das Geburtenregister, das Melderegister, das Eheregister, das Lebenspartnerschaftsregister und das Sterberegister sind dann lediglich Auswertungen aus den Personen-Stammdaten.
Bestimmte Attribute sind unveränderlich, z.B. das Geburtsdatum. Andere Attribute können sich über die Zeit verändern, z.B. der Wohnort. Hier muss eine Zeitkomponente eingebaut werden, die angibt, von wann bis wann eine Person an einem Wohnort gelebt hat.
Andere Attribute können nur aus einer vorgegebenen Liste möglicher Inhalte stammen, z.B. die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft (zusätzlich evtl. mit Zeitbezug). Hier ist eine Beziehung aufzubauen (eine sogenannte Relationship) zwischen Person und Religionsgemeinschaft (und Zeit).
Umkehr der Sichtweise
Mit dieser Vorgehensweise kann ein fachkonzeptionelles Gesamtmodell der für die Register notwendigen Daten entworfen werden.
Ein einheitliches, integriertes Datenmodell sagt noch nichts über eine physische Speicherung der Daten aus. Ob diese eher zentralisiert oder eher dezentral erfolgt, wird unabhängig vom fachkonzeptionellen Modell in einem zweiten Schritt festgelegt.
Auch hier ist es der Fall, dass man derzeit zunächst die physische Verteilung von Registern festlegt und sich erst danach Gedanken über Datenintegration und Datenkonsistenz macht.
Das grundsätzliche Vorgehen – erst fachkonzeptionelles Modell, dann Implementierung – bedeutet nicht, dass zunächst das gesamte Fachmodell vollständig entworfen sein muss. Ein sukzessives Vorgehen ist möglich:
- erster Teil des Fachmodells
- erster Teil der Implementierung
- nächster Teil des Fachmodells
- nächster Teil der Implementierung
Informatik, Wirtschaftsinformatik und Verwaltungsinformatik stellen Methoden zur Verfügung, die auch bei einem solchen Vorgehen die Gesamtkonsistenz der Daten sichern.
Wichtig ist die Umkehr der heutigen Sichtweise:
Erst Festlegung der Stammdaten, dann Register als Auswertungen aus diesen Stammdaten.
Register sind kein »Ding an sich«.
Wie können wir schneller und besser werden?
Das beschriebene Vorgehen:
- Identifikation von Objekten (z.B. Person, Unternehmen, Auto) durch eindeutige Merkmale (Schlüsselattribute)
- Definition dieser Objekte als Stammdaten / Entitäten
- Verbindung der beschreibenden Merkmale mit zugehörigen Attributen (z.B. Geburtsdatum, Wohnort, Religionszugehörigkeit)
- Zuordnung der über die Zeit veränderlichen Attribute als Beziehungen zum Objekt Zeit
- Bestimmung bestimmter Attribute als Beziehungen zu anderen Entitäten (z.B. Religionsgemeinschaft)
- Register als Auswertungen aus den Stammdaten
vereinfacht den Aufbau der Register dramatisch, sichert die Konsistenz der Daten und führt zu einer erheblichen Beschleunigung des Projekts Registermodernisierung.


