Trendschau

Usability
Auch der größte Mehrwert neuer Technologien entfaltet sich vollends erst in der einfachen Anwendung. Die Leistungsfähigkeit aktueller IT-Komponenten bietet genügend Reserven, bestehende Funktionen für breite Nutzergruppen leicht zugänglich zu machen. Die »Nutzbarkeit« ist damit nicht nur ein immer wichtiger werdendes Verkaufsargument für neue IT-Lösungen, sie bestimmt auch über gesellschaftliche Teilhabe. Gute (Be-) Nutzbarkeit, also Usability, trägt zum Abbau digitaler Gräben bei.

Security by Design
Datendiebstahl, Cyberattacken und Online-Betrug bedrohen Bürger, Verwaltung und Wirtschaft. Durch die zunehmende Digitalisierung wird IT-Sicherheit so zu einem immer wichtigeren Thema für die Gesellschaft. Informationstechnische Sicherheitskonzepte setzten dabei oftmals erst am Ende von Prozessketten an. Security by Design ändert dies grundlegend, indem Sicherheitsaspekte als integraler Bestandteil in allen Phasen der Softwareentwicklung berücksichtigt werden, um Schwachstellen erst gar nicht entstehen zu lassen.

Mensch-Maschine-Interaktion
Je komplexer und personenbezogener eine maschinelle Unterstützung ausfällt, desto wichtiger wird die zielführende Interaktion zwischen Mensch und Maschine. Dazu können diese Maschinen direkt gesteuert werden oder sie erfassen automatisch Situationen und menschliche Bedürfnisse. Digitale Assistenzsysteme oder eingebettete Systeme lassen sich durch neue Schnittstellen oder Sensoren intuitiv nutzen und ermöglichen so den Zugang zu neuen Technologien. Wie in jeder Kommunikationsbeziehung besteht die Gefahr von Missverständnissen oder der Überforderung des Kommunikationspartners – sei es der Mensch oder die Maschine.

Stupsen
Große politische Zielsetzungen erzielen nicht immer die gewünschte Wirkung, kleine Stupser (engl. »Nudges«) mitunter schon. Änderungen der Entscheidungssituation können Menschen auf sanfte Weise zu Gemeinwohlförderlichem Verhalten bringen. Verhaltensökonomische Modellierungen dienen der Identifikation der richtigen Anstöße. Große Datenmengen und ihre Analyse eröffnen dafür völlig neue Möglichkeiten, die für die effiziente und effektive Implementation politischer Maßnahmen genutzt werden sollen – bei vollständiger Entscheidungsfreiheit der Betroffenen.

Darknet
Während gerne auch im Digitalen über die totale Transparenz diskutiert wird, spannt sich unter der Oberfläche des WWW ein tiefes, undurchsichtiges Netz. Der kryptographisch geschützte Teil dieser dunklen Seite des Internets, das Darknet, bietet einen Schutzraum nahezu vollständiger Anonymität – der von Drogen- und Waffenhändlern ebenso genutzt wird wie von Andersdenkenden in totalitären Regimen. Die Technik bietet somit sowohl ein Höchstmaß an Privatheit als auch eine ausgezeichnete Gelegenheit, diese kriminell zu missbrauchen. Die Politik muss sich in dieser technisch begründeten, neuen Dimension des Zwiespalts zwischen Privatheit und Strafverfolgung positionieren.

Mikroengagement
Die Bereitschaft zum bürgerschaftlichen Engagement ist ungebrochen. Digitalisierung verändert allerdings auch hier Gewohnheiten – und schafft neue Möglichkeiten. Kurzzeitig, kleinteilig und flexibel zu helfen, wird zu einem wachsenden Bedürfnis, dem bei Allgegenwart von vernetzten Endgeräten immer leichter entsprochen werden kann. Aber überbrücken die IT-getriebenen Möglichkeiten auch den Graben zwischen kurzzeitig und flexiblen Einsatz sowie langfristigen und kontinuierlichen Bedarf? Beispiele machen Hoffnung und zeigen zugleich Grenzen und Risiken auf.

Denkende Maschinen
Künstliche Intelligenz polarisiert wie kaum ein anderes Thema der Digitalisierung. Seit Jahrzehnten sollen »schon bald« nur schwer durchschaubare Maschinen den Menschen in seiner bislang exklusiven Domäne des problemlösenden Denkens übertrumpfen. Kinofilme nutzen diesen Angriff auf das menschliche Selbstverständnis ebenso für spektakuläre Darstellungen wie Feuilletons für philosophische und kulturkritische Betrachtungen. Seit einiger Zeit gewinnt das Thema durch konkrete Anwendungen neuen Schwung. Mit welchen Mechanismen und Auswirkungen werden wir in Zukunft tatsächlich konfrontiert? Verstricken wir uns in einem unkontrollierbaren Geflecht von Informationen mit unabsehbaren Folgen? »Alexa, Siri, Google – was meint ihr?«

Sichere Fahrzeugkommunikation
Allgegenwärtige Vernetzung und Kommunikation unterwegs ist für viele Menschen zur Normalität geworden. Doch nicht nur Menschen kommunizieren fortwährend, ihre Autos tun es auch. Eine immer umfassendere Sensorik dient zur Sammlung von immer mehr Daten, die andere Verkehrsteilnehmer nutzen können. Dies schafft neue Möglichkeiten – und wirft eine Reihe von alten und neuen Sicherheitsfragen auf: werden unsere Autos zu rollenden Botnetzen?

Verwaltung x.0
Mit der politisch getriebenen Vision von der Industrie 4.0 scheint die Versionsnummer 4.0 Garant für öffentlich zugesprochene Modernität zu sein. Doch wie manifestiert sich 4.0 in der öffentlichen Verwaltung? Der Begriff Verwaltung 4.0 findet bereits bei der konsequenten Umsetzung von E-Government-Lösungen Anwendung. Ein weitergehendes Verständnis greift die Veränderungspotenziale durch intelligent vernetzte Objekte im Internet der Dinge und im Internet der Dienste für den öffentlichen Sektor auf.

Vorhersagende Polizeiarbeit
Datensammlungen, Verbrechenskartierung und viel Erfahrung prägen seit langem die Polizeiarbeit. Eine softwaregestützte Datenauswertung zur Kriminalitätsprävention fügt sich in diese Reihe. Die Verknüpfung aktueller Daten kann ein kleinräumiges, detailliertes Lagebild ergeben, das Wahrscheinlichkeitsschätzungen für einzelne Formen von Kriminalität ermöglicht und damit zum effektiven Einsatz von Polizeikräften beiträgt. Wichtig ist dabei eine Fremd- und Selbstbeschränkung in der Datenauswertung, deren gesellschaftliche Akzeptanz stets neu diskutiert oder möglicherweise wiederhergestellt werden muss.