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Digitale Kommunikation und Wahlentscheidung

Die Ergebnisse im Einzelnen

Digitale Kommunikation und Wahlentscheidung – Wohin geht der Trend?

Der Einfluss digitaler Kommunikation auf die politische Meinungsbildung wird öffentlich vermehrt mit Blick auf die Zunahme von Desinformation debattiert. Wir haben nachgehakt: In einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung (n= 1002) im Oktober 2021 haben wir die Bürger:innen befragt, wie sich der Anteil politischer Inhalte in der digitalen Kommunikation für sie im Zuge der Coronapandemie verändert hat und wie wichtig bestimmte digitale Quellen für die persönliche Meinungsbildung zur Bundestagswahl 2021 waren. Aufgrund des Befragungszeitpunkts lassen sich der Einfluss der Pandemie in unseren Ergebnissen nicht losgelöst vom Einfluss der Bundestagswahl sowie des vorangegangenen Wahlkampfs betrachten. Für Dreiviertel der Befragten war demnach klar: Der Ausgang der Bundestagswahl wurde (sehr) stark von digitaler Kommunikation politischer Inhalte beeinflusst. Nur jede/r Siebzehnte (6 Prozent) glaubt, dass digitale Kommunikation überhaupt keinen Einfluss hatte.

Die Bedeutung von Medien nimmt zu – nicht nur in digitalen Kanälen

Hat die Lage seit Beginn der Pandemie insgesamt zu einer Politisierung beigetragen? Wie steht es um das Verhältnis traditioneller und digitaler Medien? Informieren sich die Bürger:innen mehr über neue digitale Kanäle?

Grundsätzlich hat für zwei von fünf Befragten sowohl die Bedeutung traditioneller als auch digitaler Medien für die politische Meinungsbildung zugenommen. Für über die Hälfte der Befragten hat sich die Bedeutung nicht verändert. Nur für eine Minderheit verlieren traditionelle Medien an Bedeutung (12 Prozent der Befragten). Bemerkenswert ist hierbei, dass für diese Gruppe gleichzeitig die Bedeutung politischer Inhalte in der digitalen Kommunikation zugenommen hat. Für die größte Gruppe macht es aber keinen Unterschied, ob traditionell oder digital: Immerhin jede:r zehnte Befragte gab an, dass digitale Kommunikation und traditionelle Medien gleichzeitig an Bedeutung gewonnen haben. Für etwa jede:n Vierte (27 Prozent) ist die Bedeutung beider gleichgeblieben.

Verschiedene Informationsquellen sprechen unterschiedliche Gruppen an

Wir wollten zudem wissen, wie sich private von öffentlichen digitalen Informationsquellen in Bezug auf politische Inhalte in ihrer Bedeutung für die Wahlentscheidung unterscheiden. Fünf mögliche Quellen haben wir dazu näher betrachtet: Familie und Freunde, Politiker:innen, NGOs, öffentliche Einrichtungen und Prominente.

Dreiviertel aller Befragten haben mindestens eine dieser Quellen als wichtig für ihre Wahlentscheidung eingeschätzt. Für knapp jede:n zweite:n Befragte:n (46 Prozent) sind private Quellen wichtig. Unter den öffentlichen Informationsquellen sind etwa für jede:n Dritte:n Inhalte von Politiker:innen oder NGOs wichtig. Den geringsten Einfluss hatten prominente Personen des öffentlichen Lebens. Allerdings ist das Bild hierbei nicht so einheitlich.

Das Alter spielt eine bedeutende Rolle

Das Wichtigste: Alter hat einen wesentlichen Einfluss auf die Bewertung digitaler Kommunikation für die politische Meinungsbildung. Zum einen ist bei den Unter-Vierzig-Jährigen gegenüber den Über-Vierzig-Jährigen eine deutliche Zunahme der Bedeutung digitaler Kommunikation bei gleichzeitiger Abnahme der Bedeutung traditioneller Medien zu beobachten. Zum anderen bewerten Jüngere öffentliche Informationsquellen anders als Ältere. Die Unterschiede fallen insbesondere beim Vergleich von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und prominenten Personen des öffentlichen Lebens ins Auge, die für Jüngere deutlich wichtiger sind als für Ältere. Die politische Meinungsbildung unter den der Jüngeren scheint sich im Digitalen demnach hin zu neuen Akteur:innen zu verlagern. Ob sich hier ein anhaltender Trend abzeichnet, bleibt abzuwarten.

Ein Fazit: Medien bleiben wichtig(er)!


Wir führen in unregelmäßigen Abständen Befragungen zu aktuellen Digitalthemen durch. Hier finden Sie die Auswertungen und Ergebnisse dazu.

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