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Verwaltung meistert die Krise - unbemerkt

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Verwaltung meistert die Krise - unbemerkt

von Mike Weber

Die heute von Next:Public veröffentlichte Studie »Verwaltung in Krisenzeiten« eröffnet Einblicke in die Krisenbewältigung aus Verwaltungs- und Bürgerperspektive. Zentrales Ergebnis der groß angelegten Erhebungen: Die öffentliche Verwaltung ist trotz schwieriger Voraussetzungen gut durch die erste Welle der COVID-19-Krise gekommen. Von den Bürgerinnen und Bürgern wird dies allerdings nicht in gleicher Weise wahrgenommen.

COVID-19 verändert das Arbeiten im öffentlichen Dienst

Die andauernde Corona-Pandemie macht deutlich, dass öffentliche Verwaltungen in Zeiten der Krise an Bedeutung noch weiter gewinnen und so schnell zum Nadelöhr für eine funktionierende Gesellschaft und Wirtschaft werden. Den Verwaltungen auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene ist es während der ersten Phase der Corona-Pandemie gelungen, arbeitsfähig zu bleiben und so dieses Nadelöhr nicht zu klein werden zu lassen.

Zu verdanken ist dies nicht zuletzt dem hohen Einsatz der Bediensteten. Fast die Hälfte der Verwaltungsmitarbeitenden sahen sich einer höheren oder sehr viel höheren Arbeitsbelastung ausgesetzt. Zusätzlich wurde jede:r vierte Beschäftigte – auf kommunaler Ebene sogar jede:r Dritte – mit neuen Aufgaben betraut, die sich direkt oder indirekt aus der Pandemie ergeben haben. Dabei arbeitete rund die Hälfte der Verwaltungsmitarbeitenden mehrheitlich mobil von zuhause, was oft genug vor der Krise nicht möglich war. Rund ein Viertel der Befragten musste demgegenüber weiterhin täglich zur Behörde – in den Kommunen lag der Anteil sogar bei 42 Prozent. Sowohl hinsichtlich Arbeitsumfeld als auch Arbeitsinhalt mussten die Beschäftigten also mit erheblichen Veränderungen umgehen, wie auch die Ergebnisse des Innovations-Rekorders, einer ebenfalls auf die Veränderungen durch COVID-19 abzielenden Befragung von öffentlich Beschäftigten, zeigt.

Veränderungen führen zur Innovationsoffenheit

Die Corona-Krise sorgt also gerade beim Thema mobiles Arbeiten für eine hohe Veränderungsdynamik in der Verwaltung. Die technische Ausstattung der Mitarbeitenden in den Behörden war während des ersten Lockdowns dafür nur unzureichend. So hatte nur die Hälfte der Beschäftigten einen Dienst-Laptop zur Verfügung. Um arbeitsfähig zu bleiben und auch um z.B. an Videokonferenzen teilzunehmen, haben zwei Drittel auf private Technik zurückgegriffen. Ebenfalls zwei Drittel hatten bei der Erfüllung ihrer Arbeitsaufträge mit Server- und Netzproblemen zu kämpfen. Gleichzeitig jedoch entwickelten sich einige Behörden während der Pandemie zu Experimentierräumen: Technische Neuerungen wurden schneller eingeführt und die Innovationsoffenheit wurde von den Beschäftigten als größer wahrgenommen.

Selbstsicht und Fremdsicht der Verwaltung

Während der Großteil der für die Studie befragten Verwaltungsmitarbeitenden die Leistungsfähigkeit der eigenen Behörde während der ersten Welle der Corona-Pandemie nur geringfügig eingeschränkt sah, stimmten dem nur 44 Prozent der Bürgerinnen und Bürger zu (voll funktionsfähig zwölf Prozent, eher funktionsfähig 32 Prozent). 27 Prozent gaben an, dass sie die Verwaltung als weniger und neun Prozent als gar nicht funktionsfähig wahrgenommen haben.

Auch die in der Krise stärkere Nutzung von digitalen Verwaltungsdienstleistungen durch die Bürgerinnen und Bürger konnte diesen Eindruck nicht verbessern. Die bereitgestellten digitalen Verwaltungsservices konnten nicht überzeugen. Ein Fünftel der befragten Bürgerinnen und Bürger gab an, dass sie während der ersten Phase der Pandemie stärker von den Online-Diensten der Verwaltung Gebrauch gemacht haben. Allerdings war knapp die Hälfte derer, die die digitalen Angebote der Verwaltung genutzt haben, nicht zufrieden. Die Chance, durch den Corona-bedingten Digitalisierungsschub auch die Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger für digitale Zugänge zu Verwaltungsleistungen zu steigern, konnte also nicht genutzt werden.

Zur Studie

Die Studie basiert auf der bisher größten zum Thema durchgeführten Verwaltungsbefragung mit fast 5000 ausgewerteten Fragebögen, die mit einer ebenfalls online durchgeführten Befragung von etwa 5000 Bürgerinnen und Bürger gespiegelt wurde. Die hohe Anzahl der Teilnehmenden an beiden Befragungen liefert wertvolle Erkenntnisse zu den Herausforderungen der Mitarbeiter:innen der Verwaltungen in der andauernden COVID-19-Krise und zeigt auf, wo es Optimierungspotenziale beispielsweise bei der internen Arbeitsorganisation oder im Kontakt mit Bürgerinnen und Bürgern gibt. Als ÖFIT konnten wir uns beim Fragebogendesign und der Ergebnisinterpretation einbringen.

Die Ergebnisse der Studie werden unter anderem bei einer Online-Diskussion des dbb am 9. Dezember vorgestellt und kritisch gewürdigt: https://dbb-dialog.de

Die Studie selbst steht als Download zur Verfügung unter: https://nextpublic.de/studie-verwaltung-in-krisenzeiten/


Veröffentlicht: 04.12.2020