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Vom Schreibtisch in die Praxis und zurück – Was ist eigentlich resiliente Digitalität?

Vom Schreibtisch in die Praxis und zurück – Was ist eigentlich resiliente Digitalität?

von Dr. Karoline Krenn

Am 11. Juli 2022 veranstaltete das Kompetenzzentrum Öffentliche IT einen Online-Workshop zum Thema resiliente Digitalität. Dort diskutierten Forschende verschiedener Disziplinen und Akteur:innen aus Politik und Zivilgesellschaft darüber, was Resilienz in Zeiten der digitalen Transformation ausmacht. Angesichts der multiplen gegenwärtigen Krisenlagen sind neue Strategien gefragt, die Widerstandsfähigkeit des Gemeinwesens zu stärken und auf unerwartete Ereignisse vorzubereiten. Digitalisierung kann hierfür ein Schlüssel sein. Gleichzeitig sind aber auch neue Risiken in den Blick zu nehmen, die mit der Einbindung digitaler Technologien verbunden sind. Ausgehend von Impulsen der Teilnehmenden wurden verschiedene Problemebenen adressiert.

Resilienz bedeutet, rechtzeitig über verifizierte Informationen zu verfügen, wie Michael Holzhüter (ESPRI - Fraunhofer FOKUS) mit Blick auf den Katastrophenschutz ausführte. Dabei gehe es sowohl um die Fähigkeit, frühzeitig die Bevölkerung vor Risiken zu warnen, als auch um die Nutzung lokaler Informationen.

Die Frage, was eine resiliente Stadt konkret ausmacht, stand im Mittelpunkt der Beiträge von Anne-Kristin Kruse und Anja Lüttmann (beide CityLAB Berlin), die vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen mit der Smart-City-Transformation die notwendige Bürger:innen- und Nutzer:innenzentrierung betonten. Die Vorstellung, dass Städte allein durch Digitalisierung resilienter werden, greife zu kurz. Es reiche nicht aus, den öffentlichen Raum mit Sensorik und Technik auszustatten, die so gewonnenen Daten müssen im Zusammenspiel mit einer zielgruppengerechten Informationsvermittlung gedacht werden.

Jana Plomin (DPS - Fraunhofer FOKUS) verwendete die anschauliche Analogie zum Immunsystem, um die Nützlichkeit digitaler Technologien in Reaktion auf Krisen festzumachen. Sie seien dort hilfreich, wo sie die Immunität gegen Krisen stärken. Diese menschenzentrierte Perspektive wurde von Dr. Stephan Weichert (VOCER Institut für Digitale Resilienz) um den Aspekt medialer Überforderung erweitert. Die digitale Medienwelt stelle die demokratische Funktionsweise von Medien vor fundamentale Herausforderungen. Angesichts von Desinformation, der Gefahr von Polarisierungen und dem Risiko digitalen Burn-outs, fehle es an Konzepten für einen gesunden Umgang mit der Digitalisierung. Um die notwendigen Kompetenzen hierfür zu bündeln, brauche es neue Allianzen zwischen Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft. Neben der individuellen müsse auch die gesellschaftliche Resilienz gestärkt werden, so Jan Möller (Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen). Die Städte und ländlichen Räume könnten ihren Bürger:innen mit digitalen Angeboten Freiräume öffnen, in denen sie die Chancen von Wandel entdecken und individuell nutzen können.

In der hochauflösenden Struktur des Digitalen sah Dr. Jochen Rabe (KWB Kompetenzzentrum Wasser Berlin und Einstein Zentrum Digitale Zukunft) auch die spezifische Herausforderung an die Moderation des so gewonnenen Wissens. Insbesondere Behörden und Verwaltung seien für datenbasiertes Handeln in alltäglichen Abläufen noch nicht ausgestattet, sodass die wenigsten Kommunen bislang tatsächlich Echtzeitdaten nutzen würden. Es scheint damit so, dass gegenwärtig der Umgang mit dem Digitalen noch recht weit von der Vorstellung eines Ruhepols gesellschaftlicher Resilienz entfernt ist.

Die Organisatorinnen des Workshops, Dr. Karoline Krenn und Gabriele Goldacker (beide ÖFIT - Fraunhofer FOKUS), sehen insgesamt ein sehr vielschichtiges Bild im Verhältnis von Digitalisierung und Resilienz gezeichnet, das zur weiteren Auseinandersetzung einlädt.

Weiterführendes von ÖFIT:

Ein Kompass für IT im öffentlichen Raum
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Übersetzung wertorientierter Ziele in Technik

Das White Paper beleuchtet am Beispiel Smart-City Herausforderungen bei der Konkretisierung von Gestaltungszielen für den öffentlichen Raum. Im Mittelpunkt steht dabei die Übertragung gesellschaftlicher Werte in Anforderungen an Technik.

Dr. Karoline Krenn, Jens Tiemann, Dr. Nassrin Hajinejad (2022)

Berlin: Fraunhofer FOKUS: Kompetenzzentrum Öffentliche IT

Zum White Paper »Ein Kompass für IT im öffentlichen Raum«
Digitale Souveränität als strategische Autonomie
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In diesem White Paper zeigt ÖFIT, wie digitale Souveränität als strategische Autonomie gedacht und mit Abhängigkeiten in einem digitalen Staat erfolgreich umgegangen werden kann.

Resa Mohabbat Kar, Basanta E. P. Thapa (2020)

Berlin: Fraunhofer FOKUS: Kompetenzzentrum Öffentliche IT

Zum White Paper »Digitale Souveränität als strategische Autonomie«
Open User Lab
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Digitale Anwendungen – bürgerzentriert, nutzerfreundlich, barrierefrei

Das Open User Lab ist Teil des Geschäftsbereichs Digital Public Services am Fraunhofer-Institut FOKUS und unterstützt die öffentliche Verwaltung und Justiz bei Digitalisierungsprojekten mit Methodenkompetenz und wissenschaftlicher Expertise.

Zum Open User Lab

Veröffentlicht: 25.07.2022